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Morgens zehn Uhr in China…

… kurz vor Unterrichtsbeginn betrete ich die fünfte Klasse im zweiten Stock. Mit Kinderschreien aus allen Richtungen werde ich dabei begrüßt. „Hello Teacher“ wird aus der einen Ecke gerufen „What’s your name“ aus der anderen, und einige Witzbolde in der letzten Reihe rufen „I love you“. Die Kinder haben es sich angewöhnt, unser Erscheinen als Startschuss zu vernehmen, alle englischen Floskeln zuzurufen, die ihnen so gerade einfallen. Als ich im letzten Jahr an die Schule kam, hatten die Schüler noch kein einziges englisches Wort in ihrem Wortschatz . Jetzt sind es zumindest einige Standardsätze;-)

Mein Erscheinen im Raum bedeutet für die Schüler, dass die Spiele langsam eingestellt werden müssen. Oft werde ich gefragt was unsere Kinder denn so in ihrer Freizeit machen. Nun, zunächst einmal ist zu sagen, dass neben dem Unterricht von 7 Uhr bis 9 Uhr am Abend wenig freie Zeit übrig bleibt. Doch in den Pausen zwischen dem Unterricht kann man verschiedene, sehr einfache Spiele beobachten, für die einfach wenig an Material benötigt wird. Die Mädchen spielen unglaublich viel Hüpfseil. Es ist erstaunlich wie viele verschieden Variationen es gibt mit mehreren Personen im Takt über dieses Seil zu springen. Die Jungs sieht man mehr beim Spiel mit kleinen Glasmurmeln, Steinen oder kleinen Gummibändern. Mit den Gummibändern werden übrigens gerne Insekten, am liebsten Schmetterlinge, die sich im Schulgebäude verirrt haben, gejagt und abgeschossen;-)

  

Nachdem die Melodie zum Unterrichtsbeginn ertönt hat, schleichen auch die Letzten zu ihren Plätzen. „Good Morning boys and girls“ – die Antwort der Schüler darauf lautet demgemäß natürlich auch „Good Morning boys and girls“. Ein wenig enttäuscht bin ich nun schon. Die Stunde zuvor hatte ich mit der Klasse erneut die Wörter für Junge und Mädchen wiederholt. Doch sobald sie in einem anderen Zusammenhang, als den zuvor gelernten auftreten, in diesem Fall bei der Begrüßung,  sind sie wieder vergessen. Man gewöhnt sich daran, alles in jeder neuen Satzstruktur erneut zu erklären. Nachdem ich dies getan habe versuchen wir es wieder: „Good morning boys and girls“ – „Good Morning teacher“. Ich lasse nun kurz die Hefte verteilen. Da die Schüler hier wenig Sinn für das ordentliche Behandeln von Schulsachen zu haben scheinen, sammele ich diese nach jeder Stunde ein. Würden ich dies nicht tun, wären einige Hefte in kurzer Zeit verschwunden, manche hätten sie für andere Fächer verwendet, manche als Malbuch, und wieder einige als Klopapier für die Toilette. Haben alle ihr Heft erhalten, so frage ich die Kinder erst auf Englisch, dann auf Chinesisch was wir den die vorherige Stunde gemacht haben.  Das wir mittlerweile die chinesische Sprache in Grundlagen mehr oder weniger beherrschen, macht uns Vieles einfacher. Natürlich war dies nicht immer so. Zu Beginn meiner Arbeit an der Schule musste ich viel Pantomimisch, oder durch eine kleine Zeichnung an der Tafel erklären. Wenn meine chinesische Aussprache mal wieder unbegreiflich ist, oder mir die nötigen Vokabeln fehlen , muss ich dies natürlich auch jetzt tun. „America“ rufen nun die einen aus der ersten Reihe „China“, einige von weiter hinten. Ich kann mich freuen, dass wohl doch etwas hängengeblieben ist. Die Stunde zuvor habe ich mit den der Klasse über Nationalitäten geredet, wie man fragt aus welchem Land man kommt und wie man dies beantworten kann. Dazu habe ich die Nationalhymnen einiger Länder mit dem Computer vorgespielt und die Deutsche Hymne natürlich selbst mitgesungen. Ich lasse nun zwei „Freiwillige“ nach vorne kommen und den Dialog zu „where do you come from“, mit meiner Hilfe vorspielen. Klappt dies gut oder nicht, im Anschluss müssen alle Kinder die Freiwilligen durch einen kleinen Beifall belohnen.

„Heute bringe ich euch wie versprochen ein neues Lied bei“ – Jubel von allen Seiten. Habe ich einen Unterschied der Lisukinder zu den Kindern in Deutschland entdeckt, dann wie wahnsinnig musikalisch sie sind. Jeder könnte sofort, ohne verschriftlichte Liedtextform, über mehrere Minuten singen, aus voller Seele natürlich. Ein Schüchternes „Vor-sich-her-Summen“ gibt es nicht. Wenn gesungen wird, dann laut. Ein Schamgefühl beim Singen und Tanzen, wie ich es aus Deutschland kenne, begegnet mir hier nur bei mir selber. Das Lied das ich der Klasse beibringen möchte kennt bei uns in Europa wohl jeder: „Old MacDonald had a farm, EIEIO“. Nachdem ich das Lied kurz vorgespielt habe ist die Motivation noch einmal gestiegen. Insbesondere das EIEIO am Ende jedes Verses, kommt bei den kleinen gut an und ist schon nach dem ersten Vorspielen aus allen Richtungen zu vernehmen. Alle müssen nun den Text zum Lied in ihr Heft übernehmen. Dabei laufe ich ein wenig durch die Reihen und schaue über die Schultern. Singen ist nämlich schön und gut, abschreiben dann allerdings für einige wieder weniger. Da wird lieber der Mitschüler in der Reihe vor einem getreten, das Heft des Nachbarn bekritzelt, oder unter dem Tisch die Ecke des Englischbuchs mit dem Feuerzeug angebrannt (was ich da schon alles erlebt habe :D ). Manche Schüler setze ich nun lieber von der letzten in die erste Reihe, oder einfach auf einen Platz neben dem anderen Geschlecht. In diesem Alter haben sich Mädchen und Jungen einfach noch nicht so gerne, und ein Junge hat einem Mädchen einfach viel weniger zu sagen als einem anderen Jungen;-) Nachdem mir dann auch die letzten gesagt haben, das der Text fertig abgeschrieben wurde, übersetze ich kurz Zeile für Zeile auf Chinesisch. Im Anschluss wird jede Zeile erst von mir, dann von der ganzen Klasse aufgesagt, bis die Aussprache in Ansätzen funktioniert. Dies ist wohl der chinesischste Unterrichtsteil der Stunde. Das Nachsagen klappt immer gut, denn die Kinder sind diese Art des Lernens aus allen anderen Fächern gewöhnt. Es wird in China sehr viel durch vorsprechen und nachsagen gelernt. Kurz bevor die 40minütige Englischstunde auch schon wieder vorbei ist, spiele ich das Lied nun noch einmal vor und ermutige zum mitsingen. Die Aussprache ist für die Kinder schwer und sehr schnell, aber alle versuchen es zumindest, und viele sind nach kurzer Zeit auch schon sehr gut. Spätestens beim EIEIO setzen alle pünktlich einJ Die Musik zum Stundenende ertönt.

Durch ein „BYE BYE“ beende ich damit auch die Englischstunde – ohne selbst einen Schüler dafür nennen zu müssen, sammelt ein Freiwilliger alle Hefte ein und bring sie nach vorne zu mir. Manche Kinder bleiben noch kurz in der Klasse, schauen sich die Sachen in meiner Tasche an, fragen alles mögliche, schenken mir ein selbstgemaltes Bild usw.  Nach und nach sind aber auch die letzten zum Mittagessen in Richtung Kantine verschwunden.

4.5.10 03:59
 


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